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Energieeffizient durch hydraulischen Abgleich

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Der hydraulische Abgleich ist ein Thema, über das man trefflich streiten kann. Oftmals gehen die Meinungen stark auseinander und reichen von „bringt nichts“ über „sinnvoll wäre es schon, aber viel zu teuer“ bis „ohne geht gar nicht“. Richtig kann dagegen nur letztere Position sein, denn eine Anlage ohne hydraulischen Abgleich kann niemals optimal funktionieren. Gerade Energieberater sollten deshalb über umfangreiche Kenntnisse zum hydraulischen Abgleich verfügen, um ihre Kunden ausführlich und fachlich korrekt beraten zu können – über Nutzen, Vorteile und Fördermöglichkeiten. Denn noch immer sind 85 Prozent der Heizungsanlagen in Wohngebäuden nicht hydraulisch abgeglichen – hier besteht also tatsächlich ein riesiger Bedarf. Fakt ist: Um langfristig den Energieverbrauch und damit auch Heizkosten zu senken, ist der hydraulische Abgleich unumgänglich, denn in den Heizsystemen herrscht ein Ungleichgewicht, wodurch Heizstränge und Heizflächen unterschiedlich mit Wärme versorgt werden. Ein ausgeführter hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass alle Stränge und Heizflächen nur die tatsächlich benötigte Wassermenge erhalten und bietet neben erhöhtem Komfort ein Energieeinsparpotential von bis zu zehn Prozent. Nach Plan des Bundeswirtschaftsministeriums sollen alleine bis 2020 jährlich rund 200.000 hydraulische Abgleiche durchgeführt werden.

Beratungschancen – Förderung des hydraulischen Abgleichs
Der Hauseigentümer selbst ist in den seltensten Fällen mit dem Begriff „Hydraulischer Abgleich“ vertraut, doch wird er durch Informationen von Verbraucherzentralen etc. immer aufgeklärter. Hinzu kommt, dass er sich bei den aktuell hohen und wohl weiterhin steigenden Energiepreisen gegenüber Optimierungsmaßnahmen (und nichts anderes ist letztlich der hydraulische Abgleich) aufgeschlossen zeigen wird. Für den Gebäudeenergieberater, der übrigens laut einer Umfrage von co2online mit 97 Prozent davon überzeugt ist, dass ein hydraulischer Abgleich Sinn macht, bietet sich also durchaus ein weites Feld für seine Beratungstätigkeit, doch sollte er sich in Beratungsgesprächen nicht allein auf die Einsparpotenziale stützen sondern auch „weiche“ Faktoren ansprechen. Gerade mit einem hydraulischen Abgleich – meist in Verbindung mit einem Pumpentausch sowie modernen (programmierbaren) Regelventilen – können nervende Anlagengeräusche und unangenehme Raumtemperaturschwankungen beseitigt werden, was den Wohnkomfort der Bewohner steigert. Zudem beugt richtiges Heizen (und Lüften) der Schimmelpilzbildung vor und sorgt so für ein gesundes Innenraumklima.
All diese Vorteile hat auch der Fördermittelgeber erkannt. Das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) fördert seit August 2016 neben dem Einbau von modernen, hocheffizienten Pumpen auch die Durchführung des hydraulischen Abgleichs, „um die Potenziale der Energieeffizienz bei der Wärmeversorgung von Gebäuden zu steigern“. Wichtig ist dabei, dass die Eigentümer sich vor Maßnahmenbeginn online auf der BAFA-Website registrieren müssen. Der Antrag auf Förderung wird nach der Durchführung der Maßnahme online eingereicht. Durch die staatliche Förderung von fast einem Drittel der Kosten amortisieren sich Investitionen in die Heizanlage beträchtlich. Förderfähige Produkte von Honeywell Home sind alle Rohrleitungsarmaturen, Messgeräte und Berechnungstools für den hydraulischen Abgleich, Thermostatventile und -regler, programmierbare Einzelraumregler und die komplette Regelungstechnik. Mit 30 Prozent der Nettoinvestitionskosten – maximal jedoch 25.000 Euro – werden im Rahmen der Förderung unter anderem Optimierungsarbeiten an bestehenden Anlagen unterstützt. Das intelligente Heizsystem evohome von Honeywell Home ermöglicht beispielsweise bereits über die Einzelraumregelung energetische Einsparungen von bis zu 30 Prozent und ist einfach und schnell zu installieren.

Hydraulischer Abgleich leicht gemacht – Heizlastberechnung per App
Viele Heizungsfachhandwerker vermeiden im Bestandsbereich den hydraulischen Abgleich, weil sie den Aufwand von Rohrnetz- und Heizlastberechnung (gemäß DIN EN 12831) scheuen. Hauptproblem sind die im Eigenheim- und Wohnungsbau meist fehlenden Architekten- und (TGA-)Revisionspläne sowie die Berechnungsunterlagen zur vorhanden Heizungsauslegung. Während sich die zur raumweisen Heizlastberechnung notwendigen Daten noch einigermaßen herausfinden lassen, bleiben (bei Unterputzinstallationen) die Rohrleitungslängen und -dimensionen, die Widerstände und die Druckverhältnisse teilweise unbekannt. Aufgrund der fehlenden beziehungsweise unvollständigen Anlagendaten sind im Bestandsbau praxisgerechte Annäherungen gefragt, die mit vertretbarem Aufwand eine hinreichende Genauigkeit liefern. Der Zeitaufwand für ein Einfamilienhaus mit zwölf Heizkörpern dürfte bei etwa drei Stunden liegen. Qualität dieser Maßnahme: Etwa 80 Prozent im Vergleich zu einer genauen Berechnung des hydraulischen Abgleichs, die im Bestandsgebäude quasi unmöglich ist.
Honeywell Home stellt dafür eine kostenlose Heizlast-App zur Verfügung. Diese ermöglicht es, im Gebäudebestand die Raumheizlast entsprechend den Anforderungen der DIN EN 12831 vor Ort auf einfache Art zu ermitteln. Für kleinere Gebäude bis 500 qm ist das Verfahren hinreichend genau und es ist von der KfW und des BAFA anerkannt.

Installateure, Planer und Energieberater werden entlastet
Die App "Heizlastberechnung" entlastet Installateure, Planer und Energieberater bei ihrer täglichen Arbeit. Ohne zusätzliche Unterlagen oder Software kann die Heizlast von Räumen ermittelt, Wassermengen pro Heizfläche berechnet und Voreinstellungen von Honeywell Home-Thermostatventilen durchgeführt werden – damit liegen alle Daten für den hydraulischen Abgleich vor. Um die Ermittlung der Heizlast möglichst zuverlässig und einfach zu erreichen, entwickelte Honeywell Home die App auf Basis der Vorgaben der DIN EN 12831. Und so geht’s: Der Anwender legt ein Projekt mit den Adressdaten des Gebäudes an. Über die Eingabe der Postleitzahl ermittelt das Programm anschließend die minimale Außentemperatur für diesen Standort. Zudem muss noch die Spreizung vorgegeben werden – dann startet die App die Ermittlung der Raumheizlast. Ist die Heizlast für einen Raum ermittelt, errechnet das Programm im Hintergrund die Ventilvoreinstellung. Ebenfalls automatisch wird die Wahl getroffen zwischen den beiden Honeywell Home Ventil-Modellen VS oder, bei geringer Wassermenge, dem Modell FS. Sind alle Räume berechnet, kann der hydraulische Abgleich an den voreinstellbaren Heizkörperventilen vorgenommen werden.
Die App speichert alle ermittelten Daten. Anschließend können sie im Excel-Format per E-Mail verschickt werden. So lässt sich der hydraulische Abgleich ganz einfach vor Ort, ohne PC, Datenblatt oder Datenschieber durchführen und auch die Grundlage für Förderungen der BAFA oder der KfW schaffen, da diese Förderungen ohne einen Anlagenabgleich nicht mehr gewährt werden.
Honeywell Home hat nicht nur geförderte Produkte zur Heizungsoptimierung, die Haustechnik-Experten bieten zudem auch Broschüren (stehen unter https://infomaterial.honeywellhome.de/ zum Download bereit) und Seminare für Installateure, Planer und Energieberater an, in denen die Durchführung verschiedener energetischer Maßnahmen erläutert und die Fördermöglichkeiten beschrieben werden.

Alle ziehen an einem Strang
Im Idealfall ziehen Gebäudeenergieberater, Installateure und Hausbesitzer an einem Strang: Der Gebäudeenergieberater berät den Hausbesitzer über die Vorteile und Fördermöglichkeiten und klärt ihn über den Nutzen eines hydraulischen Abgleichs auf, der Hausbesitzer erkennt die Vorteile und scheut sich nicht vor der sinnvollen Investition, die er zum Teil Dank existierender Förderprogramme wieder erstattet bekommt, und der Installateur verfügt über die nötigen Instrumente (= App), um den hydraulischen Abgleich einfach und problemlos durchführen zu können. So profitieren alle Seiten – und nicht zuletzt die Umwelt durch einen energieeffizienten Betrieb eines weiteren Eigenheims.




Rechtliche Grundlagen zum hydraulischen Abgleich
VDMA-Einheitsblatt 24199 zum hydraulischen Abgleich
Hydraulisch abgeglichene Strömungskreise sind eine Voraussetzung für einen bestimmungsgemäßen Betrieb von Heizungsanlagen. Eine wirtschaftliche und ökologische Betriebsweise (Energieeinsparung, CO2-Minderung) wird damit sichergestellt.
Hydraulisch abgeglichene Strömungskreise vermeiden typische Mängel wie ungleichmäßige bzw. nicht bestimmungsgemäße Wärme-/Kälteverteilung, zu hohe oder zu geringe Pumpenleistung, falsche Ventilautorität, falsche Heizkennlinieneinstellung, Reduzierung des Wärme- oder Kälteerzeugerwirkungsgrades, Geräuschbildung, sowie die Nichterfüllung der technischen Anschlussbedingungen bei Fernwärmeanlagen.
EnEV
Anforderungen an das Referenzgebäude umfassen ein hydraulisch abgeglichenes Rohrnetz.
VOB C - DIN 18380
Der SHK-Fachhandwerker ist laut BGB- bzw. VOB-Werkvertragsrecht verpflichtet, ein mangelfreies Werk abzuliefern, wozu auch der hydraulische Abgleich gehört. Er ist eine Nebenleistung der VOB C - DIN 18380 und bei Anlagen in Neubauten sowie bei Heizungsmodernisierungen nach den anerkannten Regeln der Technik zu erwarten:
3.1.1. „...Armaturen und Rohrleitungen sind durch Berechnungen so aufeinander abzustimmen, dass auch bei den zu erwartenden wechselnden Betriebsbedingungen eine ausreichende Wassermengenversorgung sichergestellt ist... .“
3.5.1. „...Der hydraulische Abgleich ist mit den rechnerisch ermittelten Einstellwerten so vorzunehmen, dass bei bestimmungsgemäßem Betrieb, also z.B. auch nach Raumtemperaturabsenkung oder Betriebspausen der Heizungsanlage alle Wärmeverbraucher entsprechend ihrem Wärmebedarf mit Heizwasser versorgt werden... .“




Mindestanforderung der KfW
Der hydraulische Abgleich ist als technische Mindestanforderung und ergänzende Information für Maßnahmen zur Sanierung zum KfW-Effizienzhaus und für Einzelmaßnahmen nach Programmnummer 151, 152 und 430 immer erforderlich:
* bei einem Austausch der Heizungsanlage,
* bei einem Ersatz oder erstmaligem Einbau von Umwälzpumpen des Heizkreislaufs,
* bei der Durchführung von Dämmmaßnahmen, die den Heizwärmebedarf (QH ) des sanierten Gebäudes um mehr als 25 Prozent reduzieren.
Die KfW fördert übrigens auch die „Optimierung der Wärmeverteilung“ bei bestehenden Heizungsanlagen, wobei der hydraulische Abgleich ein Teil dieses Maßnahmenpakets ist.
Tipp: Ein Bestätigungsformular für die KfW-Förderungen sowie eine Leistungsbeschreibung für die Durchführung des hydraulischen Abgleichs von Heizungsanlagen gibt es als Download unter www.intelligent-heizen.info.
Voraussetzung für BAFA-Zuschüsse
Seit dem 1. August 2016 fördert die BAFA den Einsatz von Heizungspumpen und Warmwasserzirkulationspumpen durch hocheffiziente Pumpen sowie den hydraulischen Abgleich. Die Förderung erfolgt als nicht rückzahlbarer Zuschuss, der nach Umsetzung der Maßnahmen und Einreichung der vollständigen Antragsunterlagen an den Antragssteller überwiesen wird. Die Förderung beträgt bis zu 30% der Nettoinvestitionskosten, höchstens jedoch 25.000 Euro.




Der VdZ (Spitzenverband der Gebäudetechnik) stellt auf seiner Internetseite Formulare zum hydraulischen Abgleich zum kostenlosen Download bereit. Zur Berechnung des hydraulischen Abgleichs bei einer Einzelmaßnahme sind momentan zwei Verfahren zulässig:
Verfahren A – Näherungsverfahren, relevante Werte werden überschlägig ermittelt.
Verfahren B – basiert auf der raumweisen Heizlastberechnung in Anlehnung an die DIN EN 12831 und wird üblicherweise per Software berechnet.
Zu beachten ist, dass bei der Förderung des KfW-Heizungspakets das Verfahren B vorgeschrieben ist, ansonsten ist bei der Wahl des Verfahrens der jeweilige Fördertatbestand zu beachten.




Autor:
Jürgen Lutz ist Leiter des Seminar- und Schulungswesens Heiztechnik bei Honeywell Home in Schönaich.

Kontakt:

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