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Orientierung im Verordnungs-Dschungel

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Welche Verordnungen und anerkannten Regeln der Technik sind bei Trinkwasser-Installationen besonders interessant?

Wer Trinkwasser-Installationen plant, ausführt oder betreibt, muss sich mit einem Mindestmaß an Fachwissen auseinandersetzen. Was dabei in der Installationspraxis genau beachtet werden muss, beschreiben technische Regelwerke und Richtlinien. Doch es ergeben sich immer wieder Änderungen – etwa durch die Fortschreibungen der Normen-Reihen DIN EN 806 und DIN 1988 sowie des DVGW-Regelwerks, die Überarbeitung der VDI-Richtlinien sowie der Richtlinien anderer Ersteller und nicht zuletzt die Änderungen der Trinkwasserverordnung. Damit Experten in der Praxis nicht den Überblick verlieren, stellt dieser Fachbeitrag die relevantesten aktuellen Normen, Verordnungen, Gesetze und Anforderungen rund um Trinkwasser-Installationen vor und zeigt auf, welches Fachwissen sie beinhalten.

Laut Trinkwasserverordnung müssen Unternehmer oder sonstige Inhaber (UsI) einer Wasserversorgunganlage mindestens die allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRdT) einhalten. Auch die AVBWasserV (§12, Kundenanlage) fordert vom Anschlussnehmer einer Anlage, dass diese nach den aaRdT erstellt werden muss – und zwar durch einen Fachmann, der in ein Installateursverzeichnis eingetragen ist. Da stellt sich die Frage: Was sind denn diese aaRdT und welche gilt es konkret zu beachten?

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich dabei um Regeln, die mindestens theoretisch richtig sind, sich praktisch bewährt haben und anerkannt wurden. Dazu gehört beispielsweise die europäische Normenreihe DIN EN 806 in ihren Teilen 1 bis 5, deren Anforderungen in Deutschland zusätzlich durch die nationalen Ergänzungsnormen DIN 1988-100, -200, -300, -500 und -600 vertieft und verschärft werden. Als Normenpaket ersetzen diese europäischen und nationalen Normen die früheren nationalen Normen DIN 1988-1 bis -8, die heute keine Anwendung mehr finden.

Die DIN EN 806 – grundlegendes Normenpaket
Ein erster Blick bei jeder Trinkwasser-Installation sollte immer der DIN EN 806 gelten. Sie erläutert in fünf Teilen die technischen Regeln für die Trinkwasser-Installation: Der erste Teil, DIN EN 806-1, erschien im Jahr 2001 – der letzte Teil, DIN EN 806-5, im Jahr 2012. Im Teil 1 geht es zunächst um das “Allgemeine” – etwa die Zuständigkeiten und Aufgaben für Planung, Bau und Betrieb. Dort findet man Erklärungen von Begrifflichkeiten sowie die graphischen Symbole und Kurzzeichen, die zuvor in der 1988-1 dargestellt waren. Diese Norm gilt für ganz Europa und hat keine nationale Ergänzungsnorm!

Planung
Wichtige Hinweise für die Planung geben der Teil 2 sowie dessen nationale Ergänzung, die DIN 1988-200. Diese führt einige Punkte detaillierter aus, um den höheren Anforderungen an die Planung in Deutschland gerecht zu werden. Dabei geht es um private Eigenwasserversorgung, Werkstoffe, Bauteile, Innenleitungen, Verteilung von Trinkwasser kalt und warm, Behandlung von Trinkwasser, Schallschutz, Brandschutz, Feuchteschutz, Druckerhöhung, Druckminderer und Vermeidung von Schäden durch Korrosion.

Ermittlung der Rohrdurchmesser
Wie der Rohrinnendurchmesser in einem vereinfachten Verfahren berechnet wird, ist Inhalt der DIN EN 806-3 – allerdings nur für einen einzigen Gebäudetyp. Wenn es um andere Gebäudetypen geht, kommt die nationale Ergänzungsnorm DIN 1988-300 ins Spiel. Hier finden Planer und Installateure Berechnungsgrundlagen, Bemessung von Kalt- und Warmwasserzuleitungen, Bemessung von Zirkulationssystemen und die Dokumentation der Berechnungsergebnisse für weitere Typen.

Schutz des Trinkwassers
Der “Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen und allgemeine Anforderungen an Sicherungseinrichtungen zur Verhütung von Trinkwasserverunreinigungen durch Rückfließen” sind seit 2011 in der DIN EN 1717 geregelt. Sie greift Begrifflichkeiten auf und macht grundlegende Bemerkungen zur Verunreinigung von Trinkwasser. Für die Bestimmung von Risiken für Entnahmestellen und Apparate teilt die Norm Flüssigkeiten in die Kategorien 1 bis 5 (siehe Abb. 1) ein und stellt die jeweils notwendigen Absicherungsmaßnahmen dar. In diesem Zusammenhang thematisiert sie Sicherungseinrichtungen für Entnahmestellen und Apparate in der Trinkwasser-Installation für den häuslichen und nicht-häuslichen Gebrauch, die Absicherung an der Übergabestelle der öffentlichen Trinkwasserversorgung und den freien Ablauf über einem Entwässerungsgegenstand.
Die DIN EN 1717 ist in Deutschland nur in Verbindung mit der DIN 1988-100 zu verwenden! Die DIN 1988-100 beschäftigt sich ebenfalls mit dem Rückfließen von verunreinigtem Wasser, der Verbindung von Versorgungssystemen, äußeren Einflüssen, Werk-, Betriebs- und Hilfsstoffen, der Stagnation, Schäden durch mangelnde oder unsachgemäße Wartung, Trennung durch Einzel- oder Doppelwände sowie Sicherungseinrichtungen – sowohl für den häuslichen als auch den nicht-häuslichen Gebrauch. Wichtig für die Installationspraxis: Die Norm enthält die Anwendungstabelle mit Beispielen für die Auswahl von Sicherungseinrichtungen für den häuslichen und nicht-häuslichen Gebrauch.

Installation
Wenn es um die Durchführung von Installationsarbeiten geht, bietet der Teil 4 der DIN EN 806 Orientierung. Handhabung der Materialien, Biegen und Verbinden von Rohren, Rohrwerkstoffe und Anschlussmöglichkeiten – für diese und weitere Aspekte stellt die Norm Anforderungen und Empfehlungen zusammen, die eine langfristig sichere und wirtschaftliche Nutzung ermöglichen und die Umweltverträglichkeit erhalten. Darüber hinaus geht es um die Kombination verschiedener Metalle und die Inbetriebnahme mit Befüllen, Spülen der Rohrleitungen und der Desinfektion.
Unter Punkt 5.3 findet man zudem die gute alte Fließregel, die besagt, dass “in Fällen, in denen verzinkter Stahl zusammen mit Kupfer in derselben Installation verwendet wird, die Produkte aus verzinktem Stahl in Durchflussrichtung vor dem Kupfer installiert werden müssen”.
In Deutschland gilt die Ergänzungsnorm DIN 1988-200, deren Inhalte bereits dargestellt wurden. Es empfiehlt sich aber, stets beide Normen zu sichten, da in der DIN EN 806-4 viele Dinge erörtert werden, die in der DIN 1988-200 nicht enthalten sind – und anders herum.

Druckerhöhung
Die Druckerhöhung, die ehemals in der DIN 1988-5 geregelt war, findet sich nun in der bereits erwähnten DIN EN 806-2. Ergänzend müssen bei diesem Thema zwei nationale Normen hinzugezogen werden. Wenn es um Druckerhöhungsanlagen mit drehzahlgeregelten Pumpen geht, gibt die DIN 1988-500 Hinweise zu Planungsgrundlagen, Betriebsbereitschaft, Inspektion und Wartung. Die DIN 1988-200 behandelt in Kapitel 10 die “Maßnahmen zur Verhinderung von Drucküberschreitungen”.

Betrieb und Instandhaltung
Doch was bringt es, wenn alles richtig geplant und eingebaut wurde, der Betreiber aber die Instandhaltung vernachlässigt? Hier setzt der Teil 5 der DIN EN 806 an. Er geht auf die wichtigen Aspekte im Betrieb und Instandhaltung von Trinkwasser-Installationen ein – und zwar so detailliert, dass es bis dato keine Notwendigkeit für eine nationale Ergänzungsnorm gibt. Im Fokus stehen: Dokumentation, Betrieb, Betriebsunterbrechung und Außerbetriebnahme, Wiederinbetriebnahme, Schäden und Störungen, Änderungen, Erweiterungen und Sanierung, Zugänglichkeit von Anlagenteilen und die Instandhaltung.

Der Anhang A der DIN EN 806-5 beinhaltet eine Tabelle über die Häufigkeit der Instandhaltung: Zwar ist die Auflistung nicht erschöpfend, doch sie bietet einen guten Überblick. Sie führt 46 Bauteile für Trinkwasser-Installationen auf – inklusive detaillierter Beschreibung, was bei Instandhaltung und Wartung zu tun ist. Weitere detailierte Informationen für den Betrieb von Trinkwasser-Installationen wird die VDI 3810-2, die sich derzeit in Überarbeitung befindet, mit ihrer Neuerscheinung bereithalten.

Feuerlösch- und Brandschutzanlagen in Verbindung mit Trinkwasser-Installationen
Für Feuerlösch- und Brandschutzanlagen gelten in Deutschland zusätzlich zur DIN EN 806-2 die Normen DIN 1988-600 und DIN 14462. Die DIN 1988-600 regelt den Aufbau und die Anforderungen von Feuerlösch- und Brandschutzanlagen in Verbindung mit Trinkwasser-Installationen genauso wie deren Behandlung im Bestand und die Inbetriebnahme. Wer sich mit der Auslegung, Berechnung und Installation von Löschwasseranlagen befasst, findet die notwendigen Hinweise und Regelungen in der DIN 14462 – von der Inbetriebnahme über die Abnahmeprüfung bis hin zur Instandhaltung. “Beispiele für die schematische Darstellung von Wandhydrantenanlagen, Löschwasseranlagen "trocken“ und Anlagen mit Über- bzw. Unterflurhydranten” enthält der Anhang A, analog zur DIN 1988-600. Anhang B beinhaltet Hinweise für Planer, Errichter und Betreiber.

VDI/DVGW 6023
Neben den behandelten europäischen und nationalen Normen gibt es in Deutschland noch die erwähnenswerten Richtlinien des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und die Arbeitsblätter des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs (DVGW). Als “Hygiene-Fibel der Trinkwasser-Installation” gilt die Richtlinie VDI/DVGW 6023: Sie definiert Anforderungen an Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung und verlangt unter allen verantwortlichen Partnern eine Verständigung hinsichtlich der hohen Bedeutung der Trinkwasserbeschaffenheit für gesundes Wohnen und Arbeiten. Neben der Erklärung von Begriffen und Abkürzungen behandelt die Richtlinie die Grundlagen der Hygiene, Planung, Montage und Inbetriebnahme, Nutzung und Betriebsweise, Instandhaltung sowie Qualifikation und Schulung des Personals. Hierzu gibt es spezielle VDI-Schulungen, die auch von Honeywell Home angeboten werden (siehe Kastentext). Die Richtlinie VDI/DVGW 6023 ist in Verbindung mit den geltenden DIN EN und DIN Normen einzuhalten und befindet sich derzeit in Überarbeitung.

VDI/BTGA/ ZVSHK 6023 Blatt 2
Die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik bei Planung und Bau auf der einen und beim Betrieb auf der anderen Seite bilden die Grundlage für die Sicherheit einer Trinkwasser-Installation. Das kann man sich vorstellen wie das Streifenfundament, auf dem ein Haus fest und sicher steht (Abb. 3). Ein zusätzliches tragendes Fundament bildet dabei das Blatt 2 der VDI/BTGA/ ZVSHK 6023. Dieses kommt vor allem dann zum Tragen, wenn eine der beiden anderen Säulen beschädigt ist und nicht mehr ausreichend tragen kann – das heißt, wenn in der Planungs- und Bauphase oder im Betrieb das nötige Fachwissen nicht angewandt wurde. In diesem Fall hat die Richtlinie den Effekt einer zusätzlichen Absicherung, denn sie beschreibt die Analyse denkbarer Gefährdungen. So wird die Sicherheit der Trinkwasser-Installation – im Bild des Hauses das Gleichgewicht (Abb. 4) – wieder hergestellt.

DVGW Arbeitsblätter
Die Arbeitsblätter des DVGW zu verschiedenen Themen aus dem Bereich Trinkwasser werden regelmäßig überprüft und bei Bedarf mit Informationen und Erläuterungen aktualisiert. Mit Trinkwassererwärmungs- und Trinkwasserleitungsanlagen befasst sich das Arbeitsblatt W 551 in der Fassung von 2004, die im Jahr 2015 bestätigt wurde. Im März 2017 folgte durch die DVGW Information Wasser Nr. 90 eine Klarstellung an einigen Stellen. Konkret geht es hier um “technische Maßnahmen zur Verminderung des Legionellenwachstums”. Inhalte sind in diesem Zusammenhang die Planung und Errichtung von Groß- und Kleinanlagen, deren Betrieb, Instandhaltung und Sanierung sowie die hygienisch-mikrobiologische Untersuchung und Bewertung. Hier verweist das Arbeitsblatt auf die Vorgaben der TrinkwV.

Das Arbeitsblatt W557 (A) regelt die Reinigung und Desinfektion von Trinkwasser-Installationen und beschreibt, wie mikrobielle Kontaminationen und unerwünschte Ablagerungen im Sinne der TrinkwV vermieden und beseitigt werden. Dazu gehören die Reinigung von Trinkwasser-Installationen und die Anlagendesinfektion, Anwendungsbereiche von Desinfektionsverfahren und vorbeugende Maßnahmen zur Abwendung einer mikrobiellen Kontamination.

Wie bei gesundheitlich relevanten mikrobiellen Auffälligkeiten in bestehenden Trinkwasser-Installationen vorgegangen wird, erläutert das Arbeitsblatt W 556 (A). Ziel ist es, den hygienisch sicheren Betrieb wieder herzustellen. Dafür bietet das Arbeitsblatt Hinweise für die Ermittlung und Bewertung von betrieblichen und technischen Mängeln. Gleichzeitig werden Maßnahmen zum sofortigen Schutz der Verbraucher und für die Sanierung aufgezeigt.

Speziell mit der Instandsetzung innen geschädigter Trinkwasser-Installationen – etwa durch Korrosion oder Steinbildung – befasst sich das Arbeitsblatt W 558 (A), das im Mai 2017 als Entwurf erschienen ist. Dabei geht es auf mechanische, chemische und korrosionstechnische Maßnahmen ein, die ergriffen werden können.

Ritterschlag durch den Technischen Bericht des CEN
Grundlegende Informationen über die Bedingungen und konkrete Empfehlungen für die Verhinderung des Legionellenwachstums in Trinkwasser-Installationen gibt auch der Technische Bericht des Europäischen Komitees für Normung (CEN) – nationale Bestimmungen bleiben jedoch explizit weiterhin in Kraft. Für Deutschland nennt der Bericht hier konkret die DVGW Arbeitsblätter W 551 und W 553 sowie die Richtlinie VDI 6023 Blatt 1 und adelt damit deren detaillierte Inhalte.

Fazit
Die Anforderungen an die Trinkwasser-Installationen und damit der Umfang der technischen Regelwerke werden immer komplexer. Planer und Installateure sehen sich mit einer Vielzahl von Normen und Richtlinien konfrontiert. Diese können hier leider nicht alle dargestellt werden. Dennoch versucht der Fachbeitrag, einen Überblick über die Normen und anerkannten Regeln der Technik zu erstellen, die in der Praxis häufig eine Rolle spielen - so dass eine Art Inhaltsverzeichnis entsteht, das aufzeigt, wo im konkreten Anwendungsfall nachgeschlagen werden sollte. Denn eins darf man nicht vergessen: Der Paragraph 319 des STGB (Baugefährdung) weist darauf hin, dass jeder bestraft wird, der „in Ausübung eines Berufes oder Gewerbes bei der Planung, Leitung oder Ausführung eines Vorhabens, technische Einrichtungen in ein Bauwerk einzubauen oder eingebaute Einrichtungen dieser Art zu ändern, gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik verstößt und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen gefährdet.“ Das reicht von einer Geld- bis zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe. Sorgfalt ist also angesagt.

Quellen:
AVBWasserV, TrinkwV, DIN EN 806, DIN 1988, DIN EN 1717, VDI/DVGW 6023, DVGW W551, W556 (A), W557(A) und W558 (A), CEN/TR 16355, STGB Honeywell Home bietet praxisnahe Seminare zu den Themen „Optimierung von Planung, Errichtung und Betrieb der Trinkwasser-Installation”, „Einsatzbereiche von Sicherungseinrichtungen (zum Schutz des Trinkwassers)“, „Rechtliche Vorgaben aller Beteiligten am Beispiel der Trinkwasserverordnung 4.0”, „Anforderungen an Betrieb und Instandhaltung in Trinkwasser-Installationen”, „Löschwasserversorgung im Gebäude, Verbindung mit Trinkwasser-Installationen”, „Hygiene in Trinkwasser-Installationen nach VDI/DVGW 6023 Kat. A” und „Grundlagen der Gefährdungsanalyse in Trinkwasser-Installationen nach VDI/BTGA/ZVSHK 6023 Blatt 2”. Mehr Informationen hierzu unter
infomaterial.honeywellhome.de.
Dort ist auch eine direkte Anmeldung möglich.

Autor:
Martin Pagel, Seminarleiter Trinkwassertechnik, Honeywell Home

Kontakt:

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